Die Kirchenburgen in Herrmannstadts Nähe

Unseren vorletzten Tag wollten wir noch so bewusst wie möglich erleben, aber auf der anderen Seite nicht mehr so weit fahren. Vor allem nach der Fahrt am Vortrag zum Transfaragasan und zurück hatten wir genug. Gleichzeitig verspürten die Kinder sich ein wenig länger im Zimmer beim Spielen aufzuhalten. Besonders Sven hat die ganzen Reisetage hindurch immer wieder am Morgen und Abend dringend seine 6 mitgebrachten Autos bespielen müssen.

So ließen wir uns an dem Tag also treiben und starteten erst gegen 10 Uhr unsere kleine Tour Richtung Nordwesten von Herrmannstadt. Die Hinfahrt über ca. nur 1 h verbrachten wir auf der Autobahn – welch Entspannung! Bald fanden wir unser erstes Ziel für diesen Tag, die Kirchenburg Calnic / Kelling. Und nachdem wir uns an diesem Tag treiben ließen ergab sich bereits hier ein netter Zufall, dass bereits weitere Besucher vor verschlossener Türe standen und mit jemandem telefoniert hätte, die gleich aufsperren würde. Gesagt getan, wir durchquerten das große Tor und durchschritten einen langen Gang und fanden eine sehr schön restaurierte Kirchenburg vor, die sehr liebevoll gepflegt ist. Der Innenhof ist eine Ruine, die mit Rasen, kleinen Büschen und Rosen bepflanzt ist. Ebenso stehen rund um den Brunnen blühende Töpfe. Im Weinkeller wird immer noch gekeltert, die Kirche ist renoviert und in Takt (aber nicht in Benutzung, da es keine Siebenbürger Sachsen mehr im Ort gibt). Auf den Aussichtsturm kann man hoch steigen. Teilweise stehen noch am Rande der Mauer die Wohnhäuser. Der äußere und innere Befestigungsring sind noch in Takt. In einem weiteren Turm ist ein kleines Museum eingerichtet. In Summe, eine sehr schöne Wehranlage, die mit viel Liebe gepflegt wird.

Bevor wir den weiteren Weg antraten folgten wir zu Fuß noch dem Schild zu einer evangelischen Basilika, die ein wenig weiter den Weg hinter sein soll. Mit offenem Mund vor Erstaunen standen wir sogleich vor einem alten Friedhof der Siebenbürger Sachsen, der wenig gepflegt bis verwahrlost ist. Ein Trampelpfad und einige neuere Grabsteine zeugen davon, dass der Friedhof noch begangen wird. Ob es wohl doch noch Sachsen hier gibt? Die Basilika ist geschlossen und verrottet sichtbar vor sich hin. Sehr schade!

Dies sollte jedoch nicht die einzige schlecht erhaltene Kirche an diesem Tag bleiben. Als wir uns wieder gefasst hatten, fuhren wir weiter ein Stück Richtung Herrmannstadt. Laut Angaben sollte es in Dobarca eine weitere Kirchenburg geben. Was wir vorfanden war eine in sich zerfallene Kirchenburg, die wohl als Kuhstall verwendet wird. Auch wenn wir keine Historiker sind, uns blutete das Herz welche Zerstörung hier mit jedem Kuhfladen und Regenguss hier mehr wurde. Im Internet fanden wir eine Initiative, die diese Burg – und andere – retten möchte. Ob die Zeit wohl noch reichen wird?

Am Rande: Christina war diesem kleinen, leicht verlassen wirkendem Ort erstmals etwas verschlossen gegenüber. Auf der Wiese an der Hauptstraße lagen einige Männer und Kinder, alle wirkten gut genährt. Wir irrten auf der Suche nach der Burg an ihnen vorbei. An unserem Auto und Verhalten war uns die Verwirrung nahezu auf das Autokennzeichen geschrieben. Auf einem reichlich steinigen Weg folgten wir dem Weg bis zur Kirchenburg. Als wir parkten fuhr ein kleines Auto mit mindestens 2 Männern hinter uns vorbei. Christina war misstrauisch und glaubte nicht recht, dass dies Zufall sei. Der Besuch in der Kirchenburg dauerte nicht lange und Christina war froh das Auto in heilem Zustand wieder vorzufinden. Der Weg zurück zur Hauptstraße ging ähnlich schlecht über viele Steine. An der Kreuzung sah uns einer der Männer, der gerade vor uns kreuzte und wies uns mit der Handbewegung darauf hin, dass wir bei dem Fahrwinkel zur Straße aufsitzen werden. Oliver korrigierte daraufhin den Winkel. Ein Junge uns gegenüber lächelte uns an und gab uns einen “Thumb up”. Christina fühlte sich schäbig! Wieder einmal sind wir offen und herzlich behandelt worden.

Zurück zu unserer Tour: Immer noch hatten wir viel Zeit bis zum Abend und so suchte Christina während der Fahrt auf der Nebenstraße Richtung Herrmannstadt nach Sehenswerten. Und da war sie schon unsere nächste Kirchenburg: Cristian / Grossau. Es war gegen 14 Uhr und zufällig endete um diese Uhr die Mittagspause. Auf dem Weg zum Portal grüßte ein älterer Mann freundlich auf Deutsch und animierte uns bei der Telefonnr. anzurufen. Beim 2. Versuch klappte es und Maria schickte nach einigen Minuten Arbeiter vorbei. Mit uns warteten mittlerweile 2 weitere junge Pärchen. Der eine junge Mann war hier 2013 Zivi und konnte so den Kontakt in rumänischer Sprache zu dem Arbeiter aufbauen. Wir durften uns in der großen Kirchenburganlage frei bewegen, gingen in den Speckturm, in dem tatsächlich Salami und Speck hängt, dazu gibt es Marmelade und Schnaps zum Probieren (und kaufen). Die Kirche ist teilweise renoviert, die Wehrmauer intakt. Hier gibt es noch eine aktive Gemeinde, auch Maria, die wir am Ende noch persönlich kennenlernen durfte, spricht fließend und akzentfrei deutsch.

Nun war es mittlerweile gegen 15 Uhr. Wir entschlossen uns zur Abwechslung nach Hohe Rinne / Paltinis zu fahren, um dort etwas spazieren zu gehen. In teilweise engen Serpentinen ging es den Berg weit nach oben. Auch hier erinnerten uns die Hänge und die Bewaldung an die Alpen bis ca. 1500 Höhenmetern. Kurz vor Paltinis fanden wir einen kleinen Kinder-Vergnügungspark mit Hüpfburg und Streichelzoo. Kurz entschlossen bogen wir ab und lernten einen Böblinger mit Herrmannstadter Wurzeln kennen, der vor 3 Jahren zurück gekehrt ist und sich um die Anlage kümmert. Es war wie immer ein abwechslungsreiches Gespräch und angenehmer Austausch. Die Kinder amüsierten sich derweil auf dem Trampolin und bei der Sommerrodelbahn.

Nachdem sich die Kinder ausgetobt hatten, führte uns der Weg auf ein Teilstück, das wir noch vom ersten Tag in Herrmannstadt kannten. Dieses Mal hatten wir allerdings noch Zeit in Heltau anzuhalten. Es handelt sich um eine sehr schön renovierte Stadt mit einer Fußgängerzone. Leider ist auch hier – wie in so vielen Orten – nicht so viel “los”. Aber im Gegensatz zu anderen Orten, in denen liebevoll ein Platz in der Ortsmitte, ggf. sogar mit Spielplatz und Brunnen, angelegt wurde, jedoch sich kaum einer aufhält, wirkt dieser Ort in der Anordnung und Fassadengestaltung fast schon deutsch. Wir suchten den Eingang zur Kirchenburg, die hier im Zentrum der Altstadt steht. Es gelang uns noch in den letzten 15 Minuten der Öffnungszeit rein zugelangen. So fanden wir eine außergewöhnlich schön renovierte Kirche vor, deren Wehrgang noch nahezu in Takt ist, dazu sind die Wege mit Blumen gesäumt. An einer Seite wurden im Laufe der Jahrhunderte der Bereich zwischen ersten und zweiter Stadtmauer überbaut und Ladengeschäft und Wohnungen gebaut. Auf der anderen Seite sind liebevolle Gemüse- und Blumengärten angelegt. Interessanterweise sind auch hier Wohnhäuser auf die Mauer gebaut mit dem Ausgang in den Innenbereich der Kirchenburg. Auch hier trafen wir perfekt deutsch sprechende Menschen. Ein Kleinod der Erholung und wunderschön!

Voll getränkt mit vielen Erfahrungen und Erlebnissen fuhren wir nach Hause ins Hotel. Dort begann das große Packen und Sortieren. Am Ende war alles rechtzeitig fertig bis wir im strömenden Regen zu unserem Abendessen ins Hinterhaus liefen. Unerwarteter weise gab es ein Candle-Light-Dinner, allerdings bei einer LED-“Öllampe”, denn aufgrund des Gewitters fiel der Strom für über eine Stunde aus. Wir ließen es uns gut schmecken, denn hungrig waren wir alle an diesem Tag geworden.

Transfogarascher Hochstraße

2017 war Oliver bei seiner kleinen Rundfahrt durch Rumänien schon auf der Transfogarascher Hochstraße. Heute ging es für uns gemeinsam auf die Straße in die Wolken. Viele viele Kurven mussten wir auf dem Weg nach Oben überstehen um dann nicht nur diese wirklich verwundene Straße sondern auch den wunderbaren Lac Balea hinter dem die Gipfel der Karpaten unter der Sommersonne zu erleben. Einige wenige Wanderwege laden auf Touren ein – ist keine Tour für eine Wanderung gemeinsam mit Sven geeignet. Es ist zu steil, zu steinig und zu große Höhenunterschiede zwischen den Stein”stufen”.
Für Christina war dies ein ganz besonderer Ort, den sie gar nicht so einfach wieder verlassen wollte. Direkt am See war das Bedürfnis nach stundenlangem Sitzen in der Stille, direkt am Berghang wollte sie nur laufen. Es fühlte sich sehr magisch an. Der Wunsch zurück zu kehren und so wie einige Backpacker und Wanderer an diesem Ort zu übernachten, war groß. Dann kann man auch den vielen Flipflop-Sommerschühchen-Trägern entgehen, dann wenn es abends ruhig wird.
Nach einer Stärkung ging es dann weiter in Richtung Süden und der Burg Poenari. Der Weg dorthin war ähnlich reich an Serpentinen und zwar nicht nur runter bis ins Tal, auch um den dort gelegenen großen Stausee führten schlechte (aber geteerte) serpentinenreiche Straßen. (Hier ein Link zu einem BBC-Video, ab Minute 4,50 erhaltet ihr einen guten Überblick über die Strecke.)

Auf der Burg Poenari war Vlad Draculea tatsächlich um sich vor den Osmanen zu verstecken, im Gegensatz zur Burg Bran also wirklich historisches Gebiet. Vor der Burg hängen dann auch 2 “gepfählte” Puppen, ganz nach dem Vorbild von Vlad Draculea. Das besondere an der Burg ist der lange Aufgang für die Besucher: 1027 Stufen muss der Interessierte nach oben steigen. Wir hatten sehr viel Glück, da nur um 10 Uhr und um 15 Uhr die Tore sich zum Besuch öffnen. Wir erreichten den Ort gegen 14:30 Uhr (und wussten nicht, wie reduziert die Öffnungszeiten sind) und mussten nur recht kurz warten. Um 15 Uhr kamen 2 Polizisten: der eine ging vor, der andere als Letzte hinterher. Dazwischen befand sich die Meute an Touristen, die meisten Rumänen. Der Weg war anstrengend und spätestens beim Rückweg brannten die Oberschenkel. Die Burgruine selbst war nur sehr klein mit einem kleinen Wohnturm, daher war die Besichtigung bereits nach einer halben Stunde wieder vorbei. Interessant war es trotzdem – und der Ausblick war fabelhaft.
Der weitere lange Rückweg wurde uns dann mit einem einstündigen Stau nur ca. 15 km vor unserer Pension “versüßt”, wir waren trotzdem fast pünktlich zum wie immer sehr leckeren Abendessen zuhause.

Mittelalterfest in Sibiu

Nach unserem Badetag in den Salzseen ruhten wir uns am Samstagmorgen etwas aus. Wir spielten Karten, schrieben etwas unser Tagebuch und Sven sprang mal in den kühlen Swimmingpool. Gegen 14 Uhr waren wir dann präpariert der Innenstadt Sibius nochmals einen Besuch abzustatten. Wir hatten erfahren, dass dort ein Mittelalterfest stattfinden würde. Auf dem großen Platz waren viele Buden aufgestellt, teilweise für Souvenirs, Mittelalterliche Accessoires oder “Fressbuden”. Interessant ist, dass hier viel mehr kostenlose Attraktionen angeboten werden. An der einen Stelle gibt es einen Märchenerzähler, an der anderen Stelle gibt es abwechselnd Ritterkämpfe und Tänze. Gleich mehrere Rittergruppen sind angekommen, um  Kämpfe darzustellen. Dazu gab es Musik von der Bühne, Gaukler und – ganz wichtig – auf der Walz befindliche Schmiede, die hier in Herrmannstadt gerne gesehene Gäste sind und an Renovierungsarbeiten mitarbeiten.

Das tote Meer von Siebenbürgen

Nördlich von Hermannstadt gibt es das kleine Dorf Salzburg mit einigen Salzseen. Diese natürlichen Salzseen haben unterschiedliche Salzkonzentrationen, die höchste Konzentration liegt sogar ähnlich wie die vom Toten Meer! Es war eine tolle Erfahrung sich schwerelos im Wasser treiben zu lassen. Für “Mutigere” gibt es noch die Möglichkeit sich mit der Erde aus den Wasserlöchern einzureiben und somit ein Hautpflegeprogramm durchzuführen. Aber Achtung: Trotz guter Reinigung nach der Behandlung bleibt ein wenig ein Geschmäckle in der Nase hängen.
Insgesamt war es ein entspannter Tag am Wasser, auf dem Spielplatz und in der Sonne – auch wenn die Heimfahrt wegen Stau nicht so verlief wie geplant. Aber irgendwann wundert man sich über fast nichts mehr auf rumänischen Straßen.

Burg/Schloss Bran & Ruine Rasnov

Transsylvanien steht in unserer Fantasie für: Vampire, Dracula, Werwölfe und Fledermäuse. Also muss man auch ein klein wenig auf die Spuren von Vlad gehen. Die Burg Bran ist das synonym für Vlad Dracula – auch wenn er ggf. nie dort gewesen ist. Wir sind trotzdem hingefahren. 140 rumänische Kilometer entsprechend also ca. 2,5h Fahrtzeit. Eine Dauer, in der wir sonst fast die Strecke München->Würzburg schaffen. Egal. Rein ins Auto und über rumpelige (Bundes-)Straßen quer durch Transsylvanien. Angekommen in Bran hatten wir eher das Gefühl aus Mallorca gelandet zu sein. Ganz schön was los hier! Wir hatten heute viel Glück: Nicht nur einen super bewachten Privatparkplatz haben wir gefunden, nein, wir konnten Dank der im Internet am Vorabend gekauften Tickets direkt an der ersten Schlange vorbei ins Burggelände. Am Burgeingang mussten wir dann doch ein wenig anstehen. Drinnen noch schnell den (vorbestellten) Audioguide abholen und zusammen mit zig anderen Besuchern durch die kleine und heimelige Burg gehen. Als wir ca. zur Hälfte durch die Burg durch waren fing es draußen dann an zu regnen. Wieder so ein Stück Glück an diesem Tag. Leider wurde es dann in der Burg sehr eng, da die vordersten Besucher nicht raus und die hinteren rein bzw. weiter wollten. Die Burg ist nett und Dank des Audioguides dann doch ein wenig informativ. Ohne Audioguide wäre es deutlich schlechter gelaufen da die Beschreibungen der Objekte entweder nicht, nur in rumänisch oder in rumänisch und englisch angebracht waren. Die Sache mit der Simultanübersetzung Englisch->Zusammenfassung auf kinderverständliches Deutsch ist jetzt noch nicht unsere primäre Stärke.
Am Ende mussten wir dann doch noch durch die letzten Tropfen des Tages laufen, aber so eine kleine Abkühlung tut ja auch gut.

In der Kommerzmeile haben wir dann noch für Simon ein tolles Dracula T-Shirt gekauft. So ein wenig Tourist sind wir dann doch auch.
Auf eine persönliche Empfehlung sind wir dann noch nach Rasnov gefahren um die dortige Bauernburg anzusehen. Eine tolle Ruine die oben auf dem Berg steht. Der Aufstieg geht zu Fuß, mit einem Bähnchen oder mit einem Schrägaufzug. Wir haben das Auto in die Tiefgarage von Rasnov gestellt und sind mit dem Schrägaufzug nach oben gefahren. Die Burgruine ist beeindruckend groß und gibt einen tollen Eindruck von der damaligen Wehrhaftigkeit. Leider war nach dem Regen die Aussicht etwas eingeschränkt, sonst hätten wir eine tolle Sicht entlang der Karpaten gehabt. In Rasnov gab es dann zur Stärkung für den Heimweg noch Palatschinken für die Männer.

Herrmannstadt / Sibiu

Das Schöne an Hermannstadt (Sibiu) ist die intakte mittelalterliche Innenstadt und die Plätze, so z B. der kleine Platz, der mit der “Lügnerbrücke” beginnt und am Ratsturm auf den großen Platz übergeht. Gesäumt sind die Plätze von vielen Restaurants und Cafes – komischerweise mehr Pizzerien als original transilvanischer oder Siebenbürger Spezialitäten.
Eines der Hauptgebäude ist die alte evangelische Kirche von Sibiu, deren gegenüber das deutsche Brukenthal-Gymnasium steht, ein Gebäude aus dem späten 17. Jahrhundert. Gestiftet wurde das Gymnasium wie vieles anderes von Samuel von Brukenthal, einem Deutschen, der für die Stadt und das Land sehr viel gemacht hat und mit seinem Palais und seiner Burg in der Gegend auch noch präsent ist.
Die evangelische Kirche ist leider aktuell wegen Renovierung geschlossen – ggf. 2020 wird die Kirche fertig sein. Der Kirchturm ist aktuell begehbar und hat mit seinen 4 Eckzimmern eine tolle Aussicht über die Stadt und das Land.
Auch die Fußgängerzone in Hermannstadt schließt sich den Plätzen an, ist allerdings reichlich verwestlicht und touristisch erschlossen, einen kleinen Abstecher für ein Eis war sie uns dann doch Wert.

 

 

 

 

Es gibt in Siebenbürgen keine so richtig vergleichbaren Bäcker wie bei uns. Hier wird mehr süß gegessen, also gibt es beim Bäcker mehr Teilchen, Krapfen und Torten und weniger Vollkornbrötchen. Vereinzelt findet man sogar Brezeln – ohne Salz. Trotzdem versuchen wir uns bei den Bäckern zu versorgen, leider kommt der Großteil unserer Tagesversorgung von Lidl und Kaufland. Kleine Pizzataschen sind aktuell der Kinder bevorzugte Snack der Kinder.
Die 2. Tageshälfte verbrachten wir im Freiluftmuseum von Herrmannstadt, in dem auf einem riesigen Gelände die verschiedenen Baustile der verschiedenen Stände in Transilvanien dargestellt werden. Für Simon haben wir einen Roller geliehen, Sven verbrachte den ersten Teil schlafend in der Trage. Der Roller ist viel Wert und wir können jedem empfehlen einen zu nehmen oder seinen mitzunehmen – sofern im Gepäck. Leider fehlten dort auch so die eine oder andere Detailinformation oder wenigstens Jahreszahl, um die verschiedenen Häuser einordnen zu können.

Auf dem Heimweg fanden wir unverhofft noch die kleine Kirchenruine Michelsberg, die weit oben tront. Leider ist sie unrenoviert, nur das Dach wurde wieder ergänzt, um weitere Zerstörungen zu verhindern. Dennoch waren die vielen Stufen bergauf die Reise Wert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Exkurs: In Rumänien gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen deutschstämmigen Bevölkerungsgruppen. Die mit größte Gruppe ist die der Siebenbürger Sachsen, die rund um Herrmannstadt zu Hause sind.

Auf dem Weg

Auf dem Weg nach Herrmannstadt / Sibiu machten wir Halt im Kloster Dumbrava, einem wunderbaren orthodoxen Kloster. Das Kloster liegt weit oberhalb und ist wunderbar mit Rosen und Geranien geschmückt. Eine kleine Kapelle und eine große Kirche bilden die religiösen Zentren. Dazu gibt es viele Wirtschafts- und Wohnräume. Im Souvenirladen gab es ein Eis und dazu von der Nonne ganz viel Kuchen als Geschenk dazu. Es ist ein Ort der Ruhe und Erholung. Leider hat Christinas Herz gleichzeitig gelitten. Dieser Ort mit seiner Blumenpracht wäre bestens geeignet als Bienenoase, aber kaum eine Pflanze war tatsächlich bienenfreundlich. Nun mag man sagen, dass dies in Rumänien kein Problem sei. Ja, es gibt noch viele wilde Wiesen und – soweit keine Pestizide verwendet werden (was ich nicht weiß) – gibt es genügend Insekten. Jedoch wird viel gebaut und jedes neu gebaute Haus bekommt einen Rasen, der für diese heiße Gegend völlig ungeeignet ist und daher oft gewässert werden muss. Dazu wird er mindestens wöchentlich gemäht, so dass auch wirklich keine Blüte sich bilden kann. Die großen Einkaufsläden wie Kaufland und Lidl errichten hier eine Filiale nach der anderen und lassen hier nach deutschem Vorbild Steinwüsten entstehen. Hier wird sich ein durchaus deutsches Modell abgeschaut, welches Deutschland bereits zum Insektensterben gebracht hat. Dies zu kopieren ist gefährlich.
Die Klosterschwestern folgen sicherlich nur ihrer eigenen Tradition, schade ist es dennoch.

Die Autofahrt führte uns weiter nach Alba Iulia und v. a. in der Festung Alba Carolina / Karlsburg. Dies ist eine unglaublich große Festung, die bis in die römische Zeit zurück geht. Wir sind hoch auf die Mauern entlanggelaufen und haben Blicke in Türme und sogar in die Folterkammer geworfen. Es ist wirklich imposant wie die Festung auf der Stadt Alba Iulia thront, eine kleine Stadt steht da auf dem Hügel.

Entspannungstag & Vorbereitung zur Weiterreise

Der Montag war schon vorher als “Entspannungstag” geplant, jetzt halt nur für Christina und die Kids, da Oliver sich um einen neuen Reifen kümmern musste. Leider leider hatte die Unterstützung des Seat Mobilitäts-Service nicht funktioniert. Obwohl nochmals am Sonntag bestätigt und zugesichert hatte sich niemand um neue Reifen in Cluj gekümmert. Erst auf Nachfrage kam heraus, dass man in Oradea (sind ja nur 3-4h Bundesstraße…) Reifen hätte. Also ist Oliver eigenmächtig zum Seat-Händler in Cluj gefahren und hatte sich dort 2 neue Reifen eines anderen Herstellers besorgt. Wertvolle (Urlaubs-)Zeit ging verloren – hätte man alles schon um 09:00 telefonisch mit Hilfe des rumänischen Seat Mobilitäts-Service klären können – aber besser ist man selbst der Mann. Um 15:30 ist Oliver dann mit neuen Schuhen auf der Hinterachse des Seats vom Hof gerollt. Mit besserer Hilfe hätten das locker 3h weniger sein können!
Auch dieser Tag wurde am und im Pool beendet – der letzte Reisetag mit solch einem tollen Pool.
Am Abend packten wir alles in die Koffer zurück und stellten fest, dass wir im Grunde zu viel Kleidung dabei hatten. Zwar haben wir am Montag Kleidung in den Wäscheservice gebracht, das nächste Mal würden wir trotzdem weniger mitnehmen und dafür häufiger waschen. Allerdings hat das natürlich jetzt den Vorteil gehabt, dass wir bei unseren Planungen ein mehrmaliges Wäsche waschen nicht berücksichtigen mussten.
Unser Hotel war im Nachhinein perfekt für Familien geeignet: der Spieleraum drinnen, die großzügige Außenanlage inkl. Sportplatz und Ball, die Schwimmingpools. Dazu konnten wir dort auch Essen, so dass wir abends uns nicht noch außerhalb ein Abendessen suchen mussten. So bekamen wir einen angenehmen Tagesrythmus hin. Das Hotel war im Wesentlichen sauber, an manchen Stellen im Poolbereich hätte man sich mehr Sauberkeit gewünscht, auch ein untertägiges Durchputzen und v.a. Entfernen des Spritzwassers am Boden wäre zumindest in Deutschland verpflichtend gewesen. Uns als Touristen hätten mehr Ausflugsinformationen als Flyer hilfreich gewesen, dazu wäre es hilfreich einen Wäscheservice anzubieten. Allerdings muss man berücksichtigen, dass Gäste wie wir, die mehr als 2 – 3 Tage bleiben, nicht normal ist. Die meisten Besucher sind Rumänen, die für einen Besuch des Schwimmbads dort bleiben oder es kamen Fremde, die jedoch das Hotel nur als kurzen Stopp genutzt haben.
Für uns war es genau richtig. Und so verließen wir unsere Unterkunft am Dienstag nach dem Frühstück in Richtung Herrmannstadt.

Wochenende im Apuseni Park

Freitagabend packten wir dann einen kleinen Koffer, um am Samstag gleich nach dem Frühstück in Richtung Apuseni Nationalpark mit seinen Höhlen und Wasserfällen losfahren zu können. Zuvor hatten wir uns eine Autostrecke ausgesucht, die uns machbar vorkam.

Also ging es am Samstag los zu den Wasserfällen von Rachitele. Wir parkten sehr weit oben, so dass wir nur 15 Minuten auf einer Schotterstraße hoch laufen mussten. Der Weg und auch die Umgebung mit dem Bachlauf und Bäumen sind sehr ähnlich den bayr. Alpen. Generell ist die Vielfalt der Bäume, Stauden und Blumen nahezu identisch mit denen in Deutschland. Der Wasserfall ist sehr schön gelegen und lädt zum Entspannen ein – wären da nicht viele andere Menschen um uns rum gewesen. Die Menge an Sandalen, Flip-Flops und kurzen Kleidern hier in den Bergen an einem kühlen Wasserfall und Bach inkl. der Menge an “Deppenzeptern” ist unglaublich. Dazu kraxelt jeder dann mit dieser “Ausrüstung” auch noch auf den Felsen herum. Ein Wunder, dass nichts passiert. Der Rückweg zum Auto dauerte etwas länger, da die Kids in den vorbeifließenden Rinnsalen spielten. Leider hatten wir nicht mehr Zeit für eine schöne Wanderung in dem Region – wir hatten ja noch einen Weg vor uns. Es ist schade, dass die Gebiete (auch in der Nähe unserer Unterkunft) zwar mit vielen Wanderwegen beschildert ist, man aber an keine Beschreibung der Wege kommt.

Bei unserer Weiterfahrt begann dann unsere kleine Adventure Safari. Die geteerte Straße endete plötzlich einige Kilometer nach den Wasserfällen und wir merkten schnell, dass der Weg schwierig wurde. Es war ein schlechter Forstweg mit vielen Pfützen und später mit sehr großen Steinen. Auf dem Weg hatten wir Moutainbiker getroffen, die uns Hoffnung gemacht hatten den Weg mit unserem Alhambra zu schaffen. Einfach war es nicht immer. Als Wandergebiet ist dies ein Traum, wunderschön, auch wenn es viel regnet. Einzelne Unterkünfte in der Mitte des Nationalparks sind sehr einfach gehalten, aber sicherlich ein ganz besonderes Erlebnis. Schade, dass wir darauf nicht eingestellt waren, aber auch mit unseren Kids wäre dies nicht so einfach machbar gewesen.

Also weiter – nach ca. 30 km war der “Spuck” vorbei und wir erreichten einen Pass mit einer Schafherde, hier gab es wieder eine ordentliche Teerstraße. Erleichtert stiegen wir aus und schauten über die grünen Hügel. Froh, dieses Stück geschafft zu haben setzen wir die Fahrt fort.

Weit war es nicht mehr bis zu unserer Unterkunft. Wieder durch enge Schluchten auf schmalen geteerten Straßen mit Bachläufen an den Seiten – alles sehr ähnlich der Alpen – fuhren wir ins Tal. Bis, ja bis wieder einmal die Straße auf einen unbefestigte Straße abzweigte. Nach unseren gesammelten Erfahrungen der letzten Tage wurden wir nicht nervös bis allerdings der Weg wirklich immer schlechter wurde. Und dann kam dieses eine Stück, dieser eine Stein, der da direkt unter dem linken vorderen Reifen lag und der unseren Reifen aufschlitzte. Die Luft war binnen Sekunden raus. Peng…pffff. Ende.

Stop! Now!

Unsere Panne versuchten wir so unemotional wie möglich zu gestalten, v. a. auch um die Kinder nicht zu verunsichern. Der Weg zu unserer Unterkunft war laut Karte nicht mehr so weit und so packten wir den Rucksack voll, packten Sven in die Trage und liefen über den Hügel zum Hotel, das direkt unterhalb der Bärenhöhle liegt. Also einfach kindertauglich aus der Autofahrt eine Adventure-Wanderung machen. War das nicht so bestellt?
Nach ca. 1h Wanderung kamen wir dann reichlich durchgeschwitzt in unserem Hotel Popasul Ursilor an.
Wir erzählten der Eigentümerin was uns passiert ist und sie fragte ihren Mann, ob dieser Oliver zurück zum Auto fahren könnte um dort auf den Abschleppwagen von SEAT warten zu können. Und nicht nur das, er gab uns seinen Ersatzreifen, der glücklicherweise auf unser Auto passte. Mit diesem fuhr er Oliver den Weg bis zum Hotel. Dabei konnte er nicht den Weg zum Auto wählen auf dem wir zum Hotel gekommen wären – dieser Weg war für seinen Skoda 4×4 nicht befahrbar. Es wäre also es ein Wunder gewesen hier mit dem Sharan durchzukommen. Nochmals zur Erinnerung: Das war der offizielle Weg des SEAT Navigations-Systems!
Also über den “eigentlichen” und richtigen (geteerten) Weg zurück und quasi von hinten ran an den Sharan. Dort im Sand den Reifen gewechselt und wieder Rückwerts runter vom Berg und außen herum zurück zum Hotel.
Den Abend und nächsten Tag war Oliver damit beschäftigt über den 24 h Notdienst von Seat einen Abschleppwagen oder besser Ersatzreifen zu bekommen. Aber Samstagabend und Sonntagvormittag war nichts zu machen. “Mobilitäts-Service” stellt man sich anders vor! Der Hotelchef Christi war ein Goldschatz und telefonierte alles ab, was ihm einfiel, um uns einen Reifen zu besorgen. Am Ende entschieden wir uns am Sonntagnachmittag mit seinem Ersatzreifen bei durchschnittlichen knapp 50 km/h zurück nach Cluj zu fahren. Um dennoch etwas zu erleben, haben wir die Bärenhöhle am Hotel gleich um 10 Uhr frühs besucht, eine wunderschöne große Höhle mit vielen Tropfsteinen und mehreren Galerien. Auch wenn wir mangels Übersetzung nicht verstanden hatten, was der Guide erzählt hatte, so gefiel uns die Höhle sehr gut.

Auf der langsamen Rückfahrt (nur über geteerte Straßen!) machten wir in Rosia nochmals Halt, um uns die Kristallhöhle anzusehen. Das ist eigentlich ein Bauxit-Bergwerk in einer Gegend mit einer Vielzahl von Höhlen. Beim Abbau fand man dabei zufällig die Kristallhöhle. Beim Besuch erhielten wir auch freundlicherweise eine persönliche englische Übersetzung, was sehr angenehm war. Zunächst bekamen wir ein wenig über den dortigen Bergbau erzählt, inkl. kleinen Ausstellungsstücken im Berg. Anschließend gingen wir in diese sehr kleine enge Höhle, die mit Tropfsteinen übersät ist, die als Besonderheit mit vielen Kristallen belegt ist.

Nach 5h im Auto waren wir dann endlich zurück in Cluj im Hotel, rechtzeitig um noch vor dem Abendessen in den Pool zu springen und etwas zu entspannen. Was für ein Adventure-Wochenende!

Cluj und seine Umgebung

Der Freitag war erneut ein Tag mit etwas mehr Ruhe, den wir vormittags erneut in Clujs Stadt zwischen den Kirchen und einem sehr schönen Brunnen erleben durften. Zum Glück haben wir immer Wechselkleidung dabei. Nachdem Simon die Temperatur des Brunnens getestet hatte, hatte er auch dringend eine neue Hose und neues Shirt gebraucht. 🙂
Nach einem guten Mittagessen mit unserem Kollegen in Cluj fuhren wir zurück aufs Land und machten eine kleine Wanderung durch den Wald zwischen Stock und Stein, durch Sand und über sanfte, vom Wasser ausgewaschene Hügel.