Targoviste & Sinaia

Schon war die Zeit auf dem Land mit den ruhigen Straßen (außer dem nervigen Hundegebell in der Nacht und dem Hahnenschrei im Morgengrauen) und viel schattigem Grün wieder vorbei. Auch wenn die Pension ein wenig renovierungsbedürftig v. a. in den Außenanlagen ist, so wurden wir doch herzlich von der älteren Dame betreut. Die Tiere und der Pool taten ihr übrigens. Die Unterkunft ist bei den Kids auf jeden Fall ein großes Highlight.

So ging es also weiter Richtung Süd-Osten mit dem nächsten Ziel Targoviste. Dort hatten wir 2 Besichtigungsziele: Erst die Ruinen des Fürstenhofes und danach das Gebäude, in dem Ceausescu mit seiner Frau die letzten Tage und seinen Tod gefunden haben.

Der Fürstenhof ist sehr schön renoviert, die Gebäudeteile sind restauriert bzw. frei gelegt. Auf dem Gelände wurde allerdings so viel umgebaut, dass es teilweise schwer fällt sich alles in ganzer Pracht vorzustellen. Sehr viele Herrscher haben hier gelebt und sich verewigt. Noch vollständig erhalten ist die Kirche und der Turm, der von Vlad Tapes – dem Pfähler – errichtet sein soll.

Unser 2. Ziel war emotional für uns Erwachsene schwierig zu begreifen: der Ort, an dem Ceausescu in der Zeit vom 22. – 25. Dezember 1989 verbracht hat, bevor er nach dem Urteil des außerordentlichen Militärgerichts gemeinsam mit seiner Frau zum Tode verurteilt wurde. Die Räume zu sehen, in denen er untergebracht war, die Wand an der er erschossen wurde. Das alles läßt die Erinnerungen aus 1989 hoch kommen und die Frage “War es gerecht und richtig ihn so schnell nach seiner Festnahme hinzurichten?” Die Angst vor seinen Unterstützern, die Wut gegen ihn und seine Verbrechen, das alles können wir nachvollziehen. War es dennoch zu überhastet? In einem nachträglich angeschauten Video kommt hervor, dass Ceausescu das Gericht nicht anerkennt und wohl auch nicht mit der Execution gerechnet hat. Wurde ihm nun am Ende das zu Teil was er seinem eigenen Volk angetan hat? Die Momente während des Besuchs waren sehr bewegend.

Ein wenig mussten wir uns von den Erfahrungen frei machen als wir die Weiterfahrt nach Sinaia antraten. Dort angekommen ergatterten wir die Eintrittskarten zur nahezu letzten Tour in das große Schloss Peles. Seeeehr beeindruckend und eine sehr gute Empfehlung unseres Reiseführers. Absolut top!

Die letzten 20 Minuten Autofahrt für den Tag traten wir im Stau an, der auch die ganze Nacht vor unserer Straße bestehen bleiben sollte. Das Abendessen und flanieren erinnerte Oliver und Christina an Peru – durch und durch. Mit einem großen Grinsen auf dem Gesicht gingen wir zurück aufs Zimmer.

Klöster & Ramnicu Valcea

Nach den vielen Tagen in den Bergen tat uns der Tag im Tal sehr gut. Zu betonen ist hier die Gestaltung der Straßen und Gärten. Die Häuser auch auf dem Land sind weiter von der Straße weg gebaut, zudem verfügen sie alle über mehr Garten, der mit vielen Bäumen und Weinranken überdacht ist. Dies bietet im Sommer genügend Schatten. Auch die Grünflächen bis zum Zaun sind großzügig, teilweise mit Bäumen, Sträuchern oder schönen Blumenbeeten gesäumt. Jeder kümmert sich um die Sauberkeit seines Hauses und seines Eigentums – jedoch genauso wenig um die Umgebung daneben, da bleibt dann auch gerne der Plastikmüll liegen, ebenso im Gestrüpp oder im Flussbett. Insgesamt scheint es hier etwas ordentlicher und vielleicht auch etwas reicher zu sein. Dies vermuten wir auch daran, da die Ortskerne auch etwas “besser im Schuss” wirken. Natürlich sieht man hier ebenso viele alte (Hoch-)Häuser aus Kommunismus-Zeiten in desolatem Zustand wie in den Karpaten…. es ist komisch zu erklären. Irgendetwas ist anders. Natürlich müssen wir viele Brücken queren. Brücke ist jedoch nicht immer Brücke. So gibt es wirklich gute und neue Brücken, ganz kleine, bei der nur ein Auto drüber passt und auch ein paar, bei denen man nicht genau weiss was man davon halten soll.

Einige Kilometer vor unserem ersten Ziel kann man etwas Besonderes bestaunen: Ölförderungsfelder, nicht klein, aber fein.

Als erstes fuhren wir zum Mănăstirea Dintr-un Lemn, einem weiteren orthodoxen Kloster in der Walachei, welches – ebenso wie jedes der anderen – einen besonderen Charme mit sich bringt und dazu in dem Fall noch eine kleine Kirche aus einem Holzstamm gefertigt, besitzt.

Ein weiteres Kloster Bistrita war unser nächstes Ziel. Dies hat uns mit besonderen Kapellen überrascht, die ca. 15 Minuten oberhalb des Klosters in einer großen Höhle gebaut sind. Die eine kleine Kapelle ist direkt in den Stein behauen, die andere wurde an eine große Öffnung Richtung Tal gesetzt. Die Höhle ist nur durch einen engen und schmalen Gang in geduckter Haltung begehbar.

Mittlerweile war es bereits späte Mittagszeit und wir fuhren als nächstes in die Stadt Ramnicu Valcea, die uns von letztem Jahr bei der Überfahrt des Transfaragashan in so guter Erinnerung geblieben ist. Allerdings brauchten wir ein wenig uns wieder zurecht zu finden. Primär war alles voller Autos und aus einer Mischung an neu renovierten Häusern bzw. neu gebauter Mall in Verbindung mit vielen alten und halb baufälligen Hochhäusern – so wie überall. Allerdings – wie es in der Walachei gerne ist – dann doch mit einigen Bäumen entlang der Straßen. Am Ende fanden wir ein kleines Kaffee gegenüber eines Spielplatzes und wir fanden ein wenig Ruhe und Entspannung. Zu lange wollten wir dann doch nicht bleiben, denn der Swimmingpool in unserer Pension wollte auch noch von den Kindern besucht werden. 🙂

Weiterfahrt über die Transalpina in die Walachei

Nach 2 Nächten hieß es auch von Sureanu Abschied zu nehmen. Es war eine wunderbare Zeit, die uns viel länger erschien als sie war. Am Morgen hat das kleine, sich im Aufbau befindliche, Dorf seinen ganz eigenen Charme von viel Natur und Ruhe. Die warmen Sonnenstrahlen tauchen das Haus und die Berge in ein warmes weiches Licht. Wir befürchten, dass für den Tourismus das wunderbare Stück in diesen Bergen aufgegeben wird und ein überfülltes und zugepflastertes Örtchen entsteht – behaltet euch eure Umwelt und urige und eigene Natur! Es wäre sehr schade, wenn ihr diese für schnell gemachtes Geld zerstört. Leider können wir in den Alpen ein Lied davon singen, wie das aussieht wenn dies passiert. 
Unser Tag wurde lange und wie bisher jeder Tag ereignisreich. Bereits auf dem Weg bis zum See machten wir noch Halt um am orthodoxen Kloster und zum Fotografieren des Sees zu halten.

Bei der Abzweigung zum Weiterweg auf der Transalpina trafen wir noch kurz unseren Vermieter, der auf dem Weg zur Cabana unterwegs war. Ein kurzer Plausch am Autofenster und weiter ging es auf eine gut 2-stündigen Fahrt durch die Karpaten auf der Transalpina in Richtung Süden. Langsam mit vielen Kehren fuhren wir erst durch bewaldetes Gebiet und später über der Baumgrenze konnten wir auch heute aufgrund des tollen Wetters den weiten Blick über die Berge hinweg genießen. 


Auf dem Weg nach unten kamen wir an einem weiteren Dorf vorbei, das sich aufgrund des nahegelegenen Skilifts im Aufbau befindet. Generell möchten wir erwähnen, dass die Transalpina erst seit Anfang der 2010 abschnittweise wieder renoviert wurde. Unterschiedliche Aussagen gibt es seit wann die Strecke vollständig geteert ist. Man kann jedoch erwähnen, dass aufgrund dieses Ausbaus auch der Massentourismus mit vielen Verkaufshütten an den Straßen entsteht und Unmengen Müll an den Parkbuchten liegen bleibt. Schade!

Wir fuhren weiter ins Tal und besuchten die Frauen-Höhle. Da wir noch Zeit hatten setzen wir uns in die Pizzeria am Gelände, die tatsächlich sehr gute Pizza macht, allerdings kam sie fast zu spät um noch die Führung mitmachen zu können. So bekam jeder ein Stück Pizza auf die Hand, der Rest wanderte ins Auto und los ging es mit der Führung. Nachdem wir schon in Deutschland und letztes Jahr in Rumänien einige Höhlen gesehen hatten, fehlte der Wow-Effekt ein wenig, dazu verstanden wir nichts, da die Führung nur in rumänischer Sprache angeboten wurde. Trotzdem war es wieder einmal faszinierend was die Natur in vielen Tausend Jahren alles erschaffen kann – ganz ohne den Menschen.


Der weitere Weg bis zur Unterkunft führte uns noch am Kloster Horezu vorbei. Das orthodoxe Kloster verbreitet Ruhe und Entspannung. In der Mitte steht diese kleine, reich verzierte Kirche. Es ist schade, dass wir auf unserer Reise nicht mehr Zeit haben, uns solchen Orten – aber auch z. B. auf der Transalpina – der Ruhe und Meditation zu widmen. 

Es wurde schon langsam Abend als wir uns endlich auf den Weg zu unserer neuen Unterkunft „Pension Ioana“ im Südosten von Râmnicu Vâlcea. Wir haben es extra ausgesucht, da es endlich das lang ersehnte Schwimmbad hatte, das sich die Kinder so gewünscht haben. Außerdem gibt es einen älteren Hund „Bobby“ und 3 – 4 Katzen (wobei nur 2 der Vermieterin gehören). So ist der restliche Abend gerettet. Ehe wir sehen konnten waren die Kinder im Wasser und bei den Tieren. So hatten wir die Zeit etwas auszupacken und die Reiseroute für den nächsten Tag zu überlegen.

Wanderung zum Sureanu

Wir nahmen gerne das Angebot an, uns auf unserer Bergtour auf den Sureanu vom Vater des Vermieters (wie peinlich – wir haben nicht mal nach dem Namen gefragt) als Guide begleiten zu lassen. Nach einer Tour mit dem Auto bis zu unserem Startpunkt begann unser wunderbarer leichter Aufstieg ca. 1 ½ h lang bis zum Gipfel des Sureanu’s. Das Wetter hatte es mit uns ausgesprochen gut gemeint. Nicht nur, dass wir Sonne pur hatten, wir hatten auch noch keinen Wind. So genossen wir eine weite Sicht und eine lange Rast am höchsten Punkt, der auf ca. 2.050 m liegt und immer noch so grün aussieht wie einer der Voralpenhügel am Tegernsee. Den Rückweg traten wir über einen kleinen Umweg an, um noch die hervorragende Sicht ins Tal und auf einen kleinen See mit einer eigenen Quelle genießen zu können. Manchmal kamen wir nur langsam weiter, da wir immer wieder die köstlichen Blaubeeren genossen. 
Christina verlängerte die Tour noch etwas und lief ein weiteres Stück zum Iezerul Șureanu (https://goo.gl/maps/GdQ2Dgrnyt4hLhYu6) mit Sven auf dem Rücken bergab. Interessanterweise war Christina schneller als der Rest per Auto. Nach einer kurzen Rast am See ging Christina auch das Stück gemeinsam mit einer Rumänin auf einer ausgewaschenen Straße bis zur Pension Sureanu hinunter. Dort genossen wir – wie am Tag zuvor angekündigt – etwas zu Trinken und die Kids ein Eis. 

Den Abend verbrachten wir im Haus bei einer großen Portion Nudeln mit Tomatensoße. Wir waren alle sehr müde vom langen Tag. Wir spielten mit den Kids noch ein wenig Karten, dann vielen wir alle müde ins Bett. 

Rapa Rosie & Transalpina

Am Sonntag hieß es Abschied nehmen vom Nationalpark Retezat. Wir fuhren wieder „runter“ vom Berg, Richtung Norden nach Sebes (Mühlbach) und zwar 3 km außerhalb zu den Canyons Rapa Rosie. Nach den kühlen Temperaturen im Nationalpark war es ganz schön warm als wir uns den Canyon anschauten und waren gleich verschwitzt. Enttäuschend war hier die Menge an Müll, die herum lag, ist es doch ein Naturschutzgebiet. Frustrierend!

Weiter führte uns der Weg Richtung Süden auf unserem ersten Teil der Transalpina, vorbei an den 3 Stauseen – mit einer Pause am mittleren Stausee und leckeren Pfannkuchen – und die letzten 12 km auf ruppiger, staubiger Straße bis zu unserer Cabana Izvorul Prigoanei – Sureanu. Der Vater des Vermieters begrüßte uns sehr herzlich und war uns auch die nächsten 1 ½ Tage ein wertvoller Begleiter, der uns viele Informationen über Flora und die Umgebung gegeben hatte. Das Haus war auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig. Zum einen war es noch voll mit 3 Familien, den bisherigen Mietern, die aber nach kurzem Aufräumen das Haus verließen. Außerdem ist das Erdgeschoss eine Küche, großer Esstisch und Wohnzimmer in einem und somit ein Aufenthaltsort für alle Mieter der einzelnen Zimmer zur Selbstversorgung. Neu gebaut und erst seit Dezember in Betrieb ist die Cabana, die auch noch an der einen oder anderen Stelle fertig gestellt werden muss. Auch das Dachgeschoss wird kommenden Herbst/Winter fertiggestellt.
Wir wiederum hatten den Luxus, dass wir die 2 Nächte alleine im Haus waren – außer dem Vater, der im Untergeschoss seine Wohnung hatte. Zum Abendessen fuhren wir gemeinsam mit dem Vater in unsere eigentlich angedachte Unterkunft. Die Geschichte ist die: eigentlich wollten wir ja woanders buchen. Das hat aber wegen Kommunikationsproblemen nicht geklappt und so sind wir dann in unsere Cabana gekommen. Die ursprüngliche Unterkunft ist ein richtiges Hotel mit Indoor-Schwimmbad, dafür etwas unpersönlicher. Das Essen auf jeden Fall war sehr gut. Am Ausgang lernten wir Jakob, den Eigentümer, kennen, der sich auf Spanisch und Rumänisch mehrmals entschuldigte, dass die Buchung schief gegangen war. Am Ende lud er uns auf ein Bier ein, das wir nach unserer Tour am nächsten Tag einlösten.

Wandern zum See Tapului

Die zweite Tour im Nationalpark mussten wir uns gut überlegen. Gerne wollten wir im Nationalpark uns bewegen, gleichzeitig wollten wir kein weiteres Mal den sehr steinigen und anstrengenden Weg nach Pietrele laufen. Daher folgten wir einer weiteren Empfehlung unseres Hüttenwirts und fuhren mit dem Auto zurück bis zur Hauptstraße. Von dort aus begaben wir uns ein paar Kilometer auf der Haupt- und geteerten Seitenstraße. Wie zu erwarten war hörte diese Straße jedoch irgendwann auf. 23 km mehr oder weniger schlechte Schotterstraße lagen vor uns, die wir in gut einer Stunde hinter uns brachten. Auf knapp 1.500 m parkten wir unser Auto und liefen nach oben. Die Hütte Stana de Rau ließen wir links liegen und liefen auf einer Wiese Richtung Talende. Beim Campingplatz, bei dem bestimmt 30 Zelte standen, ging es zuerst über eine wackelige Baumstamm-Brücke über den Bach und dann steil den Weg hoch auf erdigem, leicht rutschigem Boden. Auch der weitere Weg war führte uns immer wieder steil bergauf, über umgestürzte Baumstämme, große Steine und weiter oben durch Latschenkiefer nach oben. In einer kleinen Senke bei einem Bachbett erinnerte Christina sich an die Natur in den ecuadorianischen Anden in der Nähe von Cuenca: viele grüne Gräser, kleine Wasserdümpel mit klarem Wasser und ganz viel Ruhe. Genau an diesem Ort überlegten wir uns, ob wir tatsächlich nochmals ein letztes steiles Stück ca. 30 Minuten hochlaufen wollten, um unser Ziel, den See noch zu sehen. Sven war bereits seit 20 Minuten in der Trage. Von Wanderern erfragten wir die Dauer und konnten es uns dann doch nicht nehmen. Simon war noch fit und wir alle motiviert, die letzten Meter zu gehen. Nach 2 ½ h kamen wir glücklich und jeder ein wenig müde bei dem wunderbaren See Tapului an. Leider war es dort oben sehr windig und kühl, so fiel unsere Pause relativ kurz aus. Auf dem Rückweg wurde Sven noch den steilen Weg bergab getragen. Danach jedoch ging er aus der Trage raus und lief den gesamten Rückweg nach unten. Nach 2 h waren wir glücklich und alle ziemlich müde wieder unten an. Oliver setzte sich wieder ans Steuer, um uns sicher und gut über die Schotterpiste zurück zu bringen. Zum Abschluss mussten wir uns noch für den nächsten Tage in der Unterkunft auf der Transalpina vorzubereiten. 

Unser letztes Abendessen in Codrin war wieder hervorragend, danach wurde geduscht und wir fielen müde ins Bett. 

Wandertour im Retezat von Carnic aus

Auf Basis der Tour-Empfehlungen wollten wir eine kleine entspannte Tour in Richtung Nationalpark machen. Klein und entspannt passt aber nicht zum Nationalpark Retezat! Alleine der Aufstieg zur nächstgelegenen Hütte Pietrele über einen Schotterweg hat 2h gedauert – natürlich kinderfreundliche 2h, d.h. mit vielen Entdeckungspausen. Oben angekommen mussten wir feststellen, dass die Hütte von 11 bis 14 Uhr geschlossen hat – sowas kennt man aus den DAV Hütten nicht. Wir haben uns dann auf einen kleinen Rundweg begeben, der uns dann nach 4h wieder zurück zur Hütte gebracht hat. Eine nette – teilweise aber auch komisch Begegnung hatten wir mit 2 Füchsen im Wald. Einerseits war es toll mal die Wildtiere hier in freier Wildbahn zu sehen – auf der anderen Seite hat uns einer der beiden Füchse eine Weile verfolgt und wir mussten ordentlich schreien damit der Fuchs das Weite suchte. 

Es war am Ende eine sehr lange Tour. Eine Tour mit tollen Wegen, die verwildert und über große Steinbrocken und Geröllfelsen führte. Sowas kennt man aus dem DAV Land eher nicht, wo doch eher gut hergerichtete Wege der Standard sind. Die Kennzeichnung der Wege war sehr gut. Wir haben uns nicht verlaufen. Zurück an der Hütte Pietrele haben wir dann doch eine Kleinigkeit essen und trinken wollen – aber es ist hier schon alles sehr rudimentär. Da fehlt noch sehr sehr viel zum DAV Niveau. Wenn man die Cabanas an der Hütte sich so angeschaut hat, dann hat man verstanden warum viele der Hiker hier lieber im Zelt übernachten. Der Rückweg ging dann wieder über den Schotterweg – gegen 18 Uhr waren wir wieder glücklich und gesund zurück an unserer Unterkunft. Beachtlich war die Leistung von Sven, der bis auf eine kurze Strecke am Bergaufstieg und am Abstieg komplett gelaufen ist. Ca. 12km hat der kleine Mann mit uns zurückgelegt. Da war sein Power-Napp auf dem Abstieg absolut gerechtfertigt. Simon ist auch ein sehr guter und bedachter Wanderer geworden und lief teilweise voraus. Eine tolle Leistung unserer Jungs war das heute.

Ulpia Traiana Sarmizegetusa Regia & Weiterfahrt nach Carnic

Weiter ging es von Deva nach Süden in Richtung des Retezat Nationalparks. Bevor wir uns in die Natur begaben, machten wir noch einen Abstecher nach Ulpia Traiana Sarmizegetusa Regia, der „neuen Hauptstadt“ der Römer, die früher 25.000 – 30.000 Einwohner hatte. Auf einem wirklich riesigen Areal befinden sich unzählige Überreste der Römer. Bevor wir die Ausgrabungsstätte betreten durften, wurden wir freundlich ins Museum „umgeleitet“ – das war auch eine gute Idee! Wirklich viele tolle Artefakte aus den Ausgrabungen aber auch Nachbildungen von früheren römischen Rüstungen, Schwertern oder anderen Gegenständen stimmten uns auf die Ausgrabungsstelle ein. Beeindruckend waren die Luftbilder die wir im Museum sehen konnten, um uns einen Eindruck über die Größe der alten Römerstadt zu erhalten. Es wird hat an der Restaurierung und Dokumentation der alten Gebäude gearbeitet – es wird ab noch lange dauern bis hier alles erhaltenswerte fertig freigelegt, beschrieben oder auch restauriert ist. Hoffentlich geht das Geld nicht zu schnell aus, es wäre schade um diese tolle Römerstadt, in der auch das Tribunal (Gericht), Gebäude des Finanzministers, ein großer Marktplatz, ein Amphitheater für 5. – 6.000 Menschen und viele andere Gebäude gab.

Dann ging es weiter in den Nationalpark nach Carnic zu unserer Ecotourismo Unterkunft. Die Beschreibung war irgendwo zwischen Pension und DAV-Hütte – am Ende gehört Codrin (www.codrin.ro) zu den Naturfreunden. 
Der Komfortlevel des Naturfreundehauses war jetzt nicht so hoch wie in unserer ersten Unterkunft in Deva – der Herzlichkeitslevel dafür bei 100%! Tolles Essen, sehr kinderfreundlich, sehr gute Tourenempfehlungen.
Unseren ersten Abend haben wir dann mit einer kleinen Wanderung zum Wasserfall Lolaia ausklingen lassen, eine kleine Einstimmung auf unsere Wandertouren in den nächsten Tagen.

Corvinburg & Sarmizegetusa Regia

Unser 2. Tag in Rumänien begann entspannt mit lang schlafenden Kindern, gemeinsames Aufstehen gegen 8 Uhr und Losfahren nach dem Frühstück gegen 10 Uhr.

Heute ging es zunächst nur eine knappe halbe Stunde Richtung Süden nach Hundedoara – Eisenmarkt (https://de.wikipedia.org/wiki/Hunedoara). Der Name ist Programm: Eisenmarkt war bis zur Wende ein sehr wichtiger Ort zur Stahlerzeugung, entlang der Einfallstraße stehen große Gebäuderuinen und verrostete Hallen. Ein großes Stück weiter folgten wir den Schildern zur Corvinburg. Schnell parken, Eintritt zahlen und schon lassen wir uns verzaubern von dieser ganz speziellen Burg mit ihren vielen Räumen, Durchgängen, offenen und verschlossenen Türen. Sie ist nicht so herrschaftlich wieder in Stand gesetzt worden wir die Burg in Bran bei Brasov, jedoch ist sie genauso schön. Aufgrund der großzügigeren Anlage und weniger Besucher hat man überall auch genügend Platz und Zeit sich alles anzusehen. 


Am Nachmittag fuhren wir über die üblichen schmalen, aber geteerten Straßen weiter in den Osten zur alten Daker-Festung Sarmizegetusa Regia. Den letzten Kilometer auf einer gepflasterten Straße bergauf nahmen wir zu Fuß. Oben erwartete uns eine große Anlage, die jedoch zu großen Anteilen bis auf die untersten Steinreihen zerfallen ist. Die beeindruckenden Überreste, die auch heute noch von Archäologen ausgegraben werden, befindet sich am Ende des Weges, außerhalb der Mauernreste: das religiöse Zentrum mit großen Steinkreisen, Tempelresten und einer alten Straße, die gerade wieder weiter ausgegraben wird. Das alles ist über 2.000 Jahre alt! 
Uns freute auch, dass sich die Kinder – und insbesondere Simon – von der Begeisterung der Ruinen anstecken ließ. 

Mit dieser Begeisterung fuhren wir wieder ein ganzes Stück zurück, um dann nochmals zu einer weiteren Daker-Festung den Bergauf zu fahren. Während Oli den Berg hoch gefahren wäre, winkte die restliche Familie ab und so ging es zu Fuß ca. 2 km den Berg rauf – dieses Mal mit Sven in der Trage. Das Costești-Cetățuie ist leider ehr verwahrlost und wieder der Natur übergeben. Auf Bildern, die z. B. auch beim Wikipedia-Artikel verfügbar sind, ist die Festung besser gepflegt. Auch die Schautafeln sind kaputt. Es wäre schön gewesen, mehr über die Festung und das Leben der Daker zu erfahren. Der Tag neigte sich dem Ende. Die Heimfahrt war unspektakulär. In Orastie machten wir noch kurz Halt für ein kleines Abendessen. Die dort existierende Lutherkirche und reformierte Kirche innerhalb einer Mauer als evangelische Kirchenburg konnten wir leider nicht mehr besichtigen.  

Abflug nach Rumänien

Abflugtag um 05:30 – der Wecker klingelt. Zwischen uns und unserem Abflug steht noch der Taxi-Dienst von Pascal – und 2 Kinder die man wachbekommen muss und die sicherlich total nervös sind. 
Sie wachten dann doch sehr schnell auf, Sven hatte Angst wir würden ihn vergessen (was natürlich nie passieren würde). Die Nervosität von Simon und Sven hielt sich tatsächlich im Rahmen, spätestens nach der kleinen Ration Vomex für beide.
Pascal hat uns gut und sicher an den Flughafen gebracht und wir durften lernen, dass die Lufthansa speziell für Familien mit (Klein-)Kindern einen eigenen Check-in hat. Nett. Sogar das abgeben der Kindersitze am Sperrgepäckschalter verlief reibungslos. Da war es für Oliver sogar verschmerzbar nicht seinen obligatorischen Latte vom amerikanischen Bohnenröster zu bekommen.
Warum aber fühlt man sich bei der Passkontrolle eigentlich immer wie ein Schwerverbrecher? Vielleicht liegt es an dem was „unter“ dem Tresen passiert, was man eben nicht sehen kann. Oder an den regungslos-versteinerten Gesichtern der Bundespolizisten? Jedes Mal warten wir auf das: Halt! Sofort stehenbleiben…! Nie kommt es.
Gate, Wartezeit, Bustransfer zur Maschine – alles entspannt. Selbst der Flug.

Aufgeregt wurden wir dann wieder bei der Passkontrolle in Sibiu – auch hier dauert es ewig und der nette Herr von der Passkontrolle überprüft uns mit seinem Pokerface. 
Auch die Abholung des Mietwagens bei Autonom.ro ist etwas spannend – das Auto komme gleich… Vertragsgedöns und nein – wir brauchen kein Navi (Google Maps ist genauso falsch und gut genug!). Das Auto, ein Ford Kuga mit fast 60.000km, ist reichlich verdatscht und verkratzt, aber sauber und ein nicht-Raucher-Auto. Alles gut!
Schnell nach Sibiu zu dem uns bekannten Lidl um dort die wichtigsten Dinge einzukaufen, dann geht es mit Zwischenstopp in Mühlbach ab zur ersten Unterkunft nach Deva. 
Leider müssen wir nochmals schnell einen Zwischenstopp in Alba Iulia einlegen – der Kuga macht auf der Autobahn komische Geräusche. Die entpuppen sich als eine lose Plastikabdeckung am Unterboden, die eben ab Tempo 100 vom Fahrtwind runtergedrückt wird. Die Lösung ist rumänisch unkompliziert – in einer Hinterhof-Werkstatt wird das Teil einfach komplett demontiert. Die Werkstatt im Erdgeschoss des Neubaus war mit allem neuen Schnick-Schnack und Analysegeräten ausgestattet und so gut aufgeräumt wie kaum eine deutsche Werkstatt. Die Abdeckung hätte nur optischen Charakter. Aha! Mal sehen wann uns ein aufgespritzter Stein ein Kabel am Unterboden durchtrennt… Also weiter von Karlsburg (Alba Iulia) nach Deva. 

Dort angekommen staunen wir nicht schlecht über die Unterkunft – ziemlich am Ende der Welt kommt und gedämpfte Jazz-Musik entgegen und das 3-Zimmer-Apartment erstrahlt in moderner Schönheit. Die Dachterrasse mit Lounge-Couch lädt zum Verweilen ein. Chillig!


Im hauseigenen Restaurant isst es sich gut zu Abend, danach fahren wir mir den Jungs nochmals schnell zur Burg Deva (https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Deva). Eine Burgruine auf einem Vulkankegel, die wir schon von der Dachterrasse aus gesehen hatten. Mit einer Standseilbahn geht es entspannt nach oben um dort das alte Gemäuer zu entdecken. Viel zu sehen gibt es nicht – das Eis an der Talstation haben sich Simon, Sven und Christina trotzdem verdient.